„Eine Gemeinschaft, die mich trägt“: Neuer Mitbruder Johannes Köhler stellt sich vor
Es gibt Zuwachs bei den Salesianern Don Boscos in Regensburg: Johannes Köhler hat vor Kurzem sein Studium der Sozialen Arbeit an der KSH München, Campus Benediktbeuern abgeschlossen und sammelt hier in Regensburg seine erste Berufserfahrung. Seit 1. April 2026 unterstützt er unser Team als Sozialpädagoge auf der Wohngruppe Savio (HzE). Wir haben uns mit ihm zu seinem bisherigen Lebenslauf, seiner Motivation und seinen Fähigkeiten, mit denen er sich hier einbringen möchte, unterhalten.
Willkommen in Regensburg, lieber Johannes! Erzähl doch bitte etwas zu deinem Lebensweg und wie es dazu kam, dass du ein Salesianer Don Boscos wurdest.
Ich bin in Frankfurt geboren, im Stadtteil Heddernheim, in der Pfarrei aufgewachsen, da mein Vater Pastoralreferent ist. Nach der Grundschule bin ich auf das Humanistische Lessing-Gymnasium in Frankfurt-Westend gegangen. Dort merkte ich schon das erste Mal, ungefähr in der 7. Klasse, dass ich gerne Priester werden möchte. Als es dann aufs Abitur zuging, wollte gerne was Praktisches machen. Mein Gedanke dabei war: Ich habe jetzt lange von der Gesellschaft profitiert, z.B. Bildung bekommen, usw. und möchte jetzt etwas zurückgeben und ein Freiwillig Soziales Jahr (FSJ) machen. Bei meiner Suche stieß ich auf das „Haus der Volksarbeit“, eine kirchliche Einrichtung, die mir eine Stelle in einer heilpädagogischen Tagesgruppe angeboten haben.
Während des FSJ habe ich zum ersten Mal gemerkt, wie privilegiert ich selbst aufgewachsen bin und wie schwer es andere Kinder und Jugendliche haben. Das fand ich extrem unfair und dachte darüber nach: Könnte ich nicht Priester und gleichzeitig für benachteiligte junge Menschen da sein?
Nach dem FSJ habe ich mich entschieden ins Priesterseminar einzutreten. Den Gedanken auch erzieherisch tätig zu sein, habe ich erst einmal nicht weiterverfolgt, da ich wusste, ich möchte die Messe und Gottesdienste feiern. Ich wusste, wenn ich Pfarrer werde und eine große Pfarrei habe, dann kann ich nicht gleichzeitig erzieherisch tätig sein, das geht zeitlich nicht.
2015 begann das Priesterseminar, erstmal mit einem Kennenlernen in Dresden Exerzitienhaus Hoheneichen: „Ora et labora“. Das war eine sehr gute Zeit, weil wir als Gemeinschaft unterwegs waren, ich habe mich sehr wohlgefühlt. Das Priesterseminar an sich war keine ganz einfache Erfahrung, aber ich wollte die vier bis fünf Jahre Priesterseminar durchhalten. Ich genoss es sehr, im dritten Jahr auch außerhalb zu studieren und war ein Jahr in München an der Hochschule für Philosophie und an der theologischen Fakultät der LMU. Dann kam ich wieder zurück ins Priesterseminar in Frankfurt Sankt Georgen und schloss nach zehn Semestern mit Magister ab, aber gerade in diesen letzten Semestern ist ein Konflikt aufgetreten. Ich wurde nicht in den Pastoralkurs zugelassen. Diese Absage führte auch in meinem Umfeld zu Unverständnis. Für mich ist etwas zusammengebrochen. Das Vertrauen in die Ausbildungsleitung, aber auch was ich jetzt eigentlich machen soll. In dieser Krise besann ich mich wieder auf die Dinge, warum ich diesen Weg in erster Linie eingeschlagen hatte, was ich immer gerne gemacht habe: Pfadfinder, Messdiener, Jugendarbeit, mein FSJ, die Arbeit für benachteiligte junge Menschen.
Dann kam Corona – während dieser Zeit merkte ich, ich will eigentlich auch nicht allein leben. Ich brauche eine Gemeinschaft, die mich trägt und stützt und man eben nicht allein unterwegs ist. Ein Kommilitone hat mich darauf gebracht: Das gibt es - es gibt eine Gemeinschaft, bei der du Priester und für benachteiligte junge Menschen da sein kannst: Die Salesianer Don Boscos. Ich sah, dass die Salesianer zu dieser Zeit Online-Exerzitien anboten. Der Stil gefiel mir: nicht verkopft, sondern bodenständig, gut katholisch. Pater Johannes Kaufmann als Zuständiger für die Berufungspastoral führte die Exerzitien und lud mich auch gleich ein, ihn in Würzburg zu besuchen. Dort lernte ich die Gemeinschaft kennen und in den zwei Wochen war ich glücklich. Das ist immer ein Signal, dass Gott das für einen vorgesehen hat.
Don Bosco als Person sprach mich an und so traf ich meine Entscheidung für die Salesianer. Im November 2020 begann mein Aspirantat in Würzburg. Nach einem dreiwöchigen Sprachkurs Italienisch ging es im September 2021 mit acht anderen Novizen ins Noviziat an den Colle Don Bosco, Turin. Das Noviziat war herausfordernd - schon alleine durch die Sprachbarriere - doch am Ende konnte ich mit Freude sagen ich werde ein Salesianer. Meine Erstprofess legte ich am 8. September 2022 am Colle ab. Danach ging es nach Benediktbeuern zum Studium der Sozialen Arbeit, welches ich gerade abgeschlossen habe.
Es wurde sehr deutlich, warum du dich für die Salesianer Don Boscos entschieden hast. Sie verbinden, was dir wichtig ist: Gemeinschaft, Glaube und Soziale Arbeit. Was bedeutet es für dich darüber hinaus Mitbruder der Salesianer zu sein?
Was uns alle verbindet – obwohl jeder Salesianer individuell ist – ist zum einen die Sendung zu jungen Menschen aus dem christlichen Glauben heraus und zum anderen eine Begeisterung zu Don Bosco, also das in einem Stil zu tun. Don Bosco hat zum einen eine Spiritualität, d.h. wie er sich Gott vorstellt oder wie er geglaubt hat, aber auch eine Pädagogik, eine Idee, wie man mit jungen Menschen umgehen soll. Mit Vernunft, Religion und Liebenswürdigkeit – die drei Schlagwörter, aber auch diese Präsenz unter den jungen Menschen, die er Assistenz nennt: einfach mit den jungen Mensch zu sein, das Leben mit ihnen zu teilen aus dem Glauben heraus, dass jeder Mensch von Gott geliebt wird und jeder Mensch einen guten Kern hat. Als Gemeinschaft Don Boscos unterwegs zu sein und sich gemeinsam zu unterstützen, das macht für mich das Leben als Salesianer aus.
Don Bosco meinte einst: „Wir gehen dorthin, wo junge Menschen uns brauchen“. Du bist jetzt in Regensburg, was wird hier deine Aufgabe sein?
Ich habe mir gewünscht den Bereich Wohngruppe kennenzulernen und entsprechend bin ich jetzt seit 1. April auf der Wohngruppe Savio mit 35 Stunden die Woche. Ich werde dort als Erzieher arbeiten. Und wie meine Arbeit genau aussieht, lerne ich gerade kennen. Das ist ein neues Feld für mich.
Du hast nun schon einige Stationen durchlebt, hast Erfahrungen gesammelt und kennst deine Fähigkeiten. Wie, glaubst du, kannst du dich hier gut einbringen? Was sind deine Stärken?
Was ich mitbringe, ist eine hohe Einsatzbereitschaft und eine eigene Begeisterung, aber auch die Fähigkeit andere für Dinge zu begeistern. Ich glaube, das schadet nie. Ansonsten bin ich sehr strukturiert und mag es mich bei der Arbeit einzubringen, Ideen zu entwickeln, im Team arbeiten.
Was siehst du gerade als größte Herausforderung für junge Menschen?
Es gibt aktuell viele Krisen und besonders über Social Media viele Eindrücke davon – man merkt, dass die psychischen Belastungen deutlich zugenommen haben. Vielleicht habe ich es aber auch vor meinem Studium der Sozialen Arbeit nur weniger wahrgenommen? Grundsätzlich finde ich, dass die Gesellschaft nicht besonders auf junge Menschen ausgerichtet bzw. eingestellt ist. Mit den aktuellen wirtschaftlichen Problematiken wird in diesem sozialen Bereich gleich am stärksten gekürzt. Auch bei so etwas wie offener Jugendarbeit, bei der man keinen direkt messbaren Erfolg vorweisen kann. Und unsere Gesellschaft ist sehr darauf aus, Erfolge zu messen, das Finanzielle im Blick zu haben und ich glaube, das ist hier nicht unbedingt hilfreich. Besonders wenn es um Erziehung geht – da braucht man Geduld, man sieht Erfolge nicht gleich, man kann sie nicht in Geld messen.
Zum Abschluss noch eine etwas persönlichere Frage: Was sind deine Interessen? Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Ich bin als Frankfurter mit Eintracht Frankfurt verbunden. Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006, die ich als Kind miterlebt habe, ist Begeisterung für Fußball da. Ansonsten lese ich gerne, gerade jetzt, nachdem ich mein Studium beendet habe. Theologische und philosophische Fragestellungen – daran habe ich Freude, auch Kirchenrecht, worin ich meine Magisterarbeit geschrieben habe. Ansonsten mache ich gerne Standardtanz – was man jetzt vielleicht von einem Salesianer nicht erwartet. Muss ich mal gucken, wie ich es hier pflegen kann.
Vielen Dank für das Gespräch. Das Regensburger Team wünscht dir einen guten Start bei Don Bosco Regensburg!
