Eine Begegnung, die nachwirkt: Jugendliche und Mitarbeitende von Don Bosco besuchten Regensburger Synagoge

Veröffentlicht am: 13. August 2026

Politische Bildung findet nicht nur in Büchern, Unterrichtsräumen oder bei Vorträgen statt. Besonders eindrucksvoll wird sie dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, persönliche Einblicke erhalten und einander offen begegnen. Eine solche Begegnung erlebten Jugendliche und Mitarbeitende des Don Bosco Zentrums Regensburg bei einer Führung durch die Regensburger Synagoge.

Der Kontakt zur Jüdischen Gemeinde wurde von Sozialpädagogin Melanie Gschwind hergestellt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Fiolka engagiert sie sich im Don Bosco Zentrum für politische Bildung, Demokratieverständnis und die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. An der Führung nahmen Jugendliche teil, die bereits bei der gemeinsamen Bildungsfahrt nach Auschwitz dabei gewesen waren. Hinzu kamen interessierte Mitarbeitende des Don Bosco Zentrums, Praktikantinnen, Direktor Pater Jörg Widmann sowie die beiden Sozialpädagogen Melanie Gschwind und Klaus Fiolka.

Empfangen wurde die Gruppe von Rabbiner Benjamin Kochan. Mit großer Offenheit und viel Fachwissen führte er durch die Synagoge und gab den Teilnehmenden einen lebendigen Einblick in den jüdischen Glauben und das Leben der jüdischen Gemeinde in Regensburg.

Jüdisches Leben heute

Im Mittelpunkt der Führung standen religiöse Traditionen, Bräuche und die Bedeutung der Synagoge für die Gemeindemitglieder. Besonders beeindruckend war, dass nicht nur über Verfolgung, Nationalsozialismus und die Shoah gesprochen wurde.

Diese Themen gehören untrennbar zur deutschen Geschichte und sind gerade nach einer Fahrt nach Auschwitz von großer Bedeutung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass jüdisches Leben weit mehr ist als die Erinnerung an Verfolgung und Leid. Jüdisches Leben ist lebendig und vielfältig. Es besteht aus Glauben, Familie, Gemeinschaft, Festen, Traditionen und alltäglichen Begegnungen. Diese Seite kennenzulernen, war für die gesamte Gruppe besonders wertvoll.

Die Teilnehmenden hörten aufmerksam zu, stellten viele Fragen und zeigten großes Interesse. Rabbiner Kochan nahm sich viel Zeit und schuf eine offene Atmosphäre, in der auch persönliche und kritische Fragen gestellt werden konnten.

Regensburg ist weltweit bekannt

Besonders bemerkenswert war die Aussage des Rabbiners, dass Regensburg für Jüdinnen und Juden auf der ganzen Welt ein Begriff sei. Die lange jüdische Geschichte der Stadt und ihre Bedeutung für jüdische Gelehrte und religiöse Traditionen hätten Regensburg weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht.

Eine „Insel der Glückseligkeit“

Auch das Thema Antisemitismus wurde offen angesprochen. Rabbiner Kochan bezeichnete Regensburg in diesem Zusammenhang als eine Art „Insel der Glückseligkeit“. Zwar komme es auch in Regensburg immer wieder zu antisemitischen Vorfällen. Jeder einzelne dieser Vorfälle sei ernst zu nehmen. Im Vergleich zu vielen anderen deutschen Städten sei die Situation in Regensburg jedoch deutlich besser und offener Antisemitismus komme wesentlich seltener vor.

Antisemitismus zeigt sich nicht nur in offenen Angriffen, sondern auch in Vorurteilen, abwertenden Bemerkungen, Verschwörungserzählungen oder vermeintlichen Witzen. Politische Bildung bedeutet deshalb auch, aufmerksam zu bleiben, Aussagen zu hinterfragen und klar Stellung zu beziehen.

Von Auschwitz in die Gegenwart

Für die Jugendlichen, die bereits an der Bildungsfahrt nach Auschwitz teilgenommen hatten, war der Synagogenbesuch eine wichtige Ergänzung. In Auschwitz hatten sie sich mit den Folgen von Ausgrenzung, Menschenverachtung und systematischer Vernichtung auseinandergesetzt. In der Synagoge lernten sie nun das jüdische Leben in der Gegenwart kennen.

Beide Erfahrungen gehören zusammen. Die Erinnerung an die Opfer darf niemals verloren gehen. Gleichzeitig darf das Judentum nicht ausschließlich mit Verfolgung und Vernichtung verbunden werden. Jüdische Menschen sind nicht nur Teil der deutschen Vergangenheit, sondern ebenso Teil unserer heutigen Gesellschaft.

Politische Bildung braucht Begegnung

Für Melanie Gschwind und Klaus Fiolka bestätigte der Besuch erneut, wie wichtig politische Bildungsarbeit bei Don Bosco Regensburg ist. Politische Bildung soll jungen Menschen keine fertigen Meinungen vorgeben. Sie soll sie dabei unterstützen, Informationen zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und eine eigene begründete Haltung zu entwickeln.

Alle Beteiligten waren von der Offenheit, der Gastfreundschaft und den vielen Einblicken tief beeindruckt. Die Führung vermittelte nicht nur geschichtliches und religiöses Wissen, sondern zeigte vor allem, wie wichtig der direkte Austausch zwischen Menschen ist.

Der Besuch wird den Jugendlichen und Erwachsenen noch lange in Erinnerung bleiben. Er hat Wissen vermittelt, zum Nachdenken angeregt und deutlich gemacht, dass Demokratie, Toleranz und ein respektvolles Zusammenleben nicht selbstverständlich sind.

Unser herzlicher Dank gilt Rabbiner Benjamin Kochan und der Jüdischen Gemeinde Regensburg für den offenen Empfang und die eindrucksvolle Führung.

Text und Foto: Klaus Fiolka/RefÖA