Eine Einrichtung
in Trägerschaft der
Salesianer Don Boscos
Slogan

Wohngruppe Valdocco zieht Küken groß

Veröffentlicht am: 28. April 2021

Ein ganz besonderes Osterprojekt gab es in unserer Wohngruppe Valdocco: Die Jugendlichen legten Eier in einen Brutapparat, pflegten sie liebevoll und konnten pünktlich am Ostersonntag die ersten Küken beim Schlüpfen beobachten. Ein Bericht und ein Video über das faszinierende Wunder von neuem Leben:

Ostern stand vor der Tür und unser Alltag war durch eine Quarantäne in der Wohngruppe nicht gerade abwechslungsreich. Nichtsdestotrotz wollten wir ein Projekt in die Tat umsetzen: Wir möchten erleben, was man mit Eiern noch machen kann außer sie zum Frühstück zu verspeisen und auf Lehrer zu werfen.

Schon im Vorfeld sind einige Überlegungen notwendig. Als es dann endlich losgeht, überprüfen wir, welche Eier sich zum Ausbrüten eignen und kennzeichnen sie mit einem großen „O“ für oben und einem „U“ für unten. Genau 21 Tage vor Ostern legen wir die Eier vom Bauernhof dann in einen Brutapparat ein. Das ist eine Maschine, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit so regelt, wie es in der Natur die Henne macht. Auch im Sinne des Tierschutzgedankens ist die richtige Einstellung der Brutmaschine sehr wichtig.

Alle halfen mit

Das Ganze ist ein großes Gemeinschaftsprojekt. Viele verschiedene Hände öffnen den Brutapparat, drehen die Eier zur richtigen Uhrzeit fachgerecht um und geben Acht, dass auch ja kein Ei fallen gelassen wird. Das Drehen ist eine wichtige Aufgabe, da die Henne ihre Eier mehrmals täglich mit dem Schnabel umdreht. So mancher Mitarbeiter hat dabei anfangs ein wenig Berührungsängste, die Jugendlichen bleiben jedoch cool bei der Sache. 

Bereits am 5. Tag kann man bei den weißen Eiern im Innern einen dunklen Punkt erkennen. Gespannt warten wir also den 7. Tag ab. Das wird ein besonderer Moment, denn endlich können wir erkennen, ob die Eier überhaupt befruchtet sind. Mit einer sehr hellen Lampe in vollständiger Dunkelheit durchleuchten wir die Eier. Und siehe da, 29 sind befruchtet: Man kann feine Blutgefäße und das Küken als dunklen Fleck erkennen. Auch die Luftblase ist deutlich zu sehen. Diese braucht das Küken, wenn es kurz vor dem Schlupf anfängt mit der Lunge zu atmen.

Ein magischer Moment

Manchmal erhaschen wir, wenn es im Raum schon dunkel ist, einen Blick durch die entwickelten Eier, die mit jedem Tag voller und schwerer werden. Ein paar Eier schaffen es nicht mehr zu wachsen, deshalb werden sie aus dem Gerät genommen. Und eines schönen Abends sehen wir im Licht der Lampe, wie die Küken im Ei umherschweben. Ein magischer Moment!

Drei Tage vor Ostern müssen wir noch das Wasser im Apparat auffüllen und dann heißt es abwarten. Am Ostersamstag vernehmen wir, aber man muss ganz genau hinhören, ein erstes Piepsen aus den Eiern. Erst leise und selten, dann immer öfter und energischer. Die ersten Eier beginnen zu wackeln...

Und dann geschieht es: das erste Ei ist angepickt. Was für ein Erfolg! Sollte die ganze Arbeit sich gelohnt haben? Spätestens jetzt realisierten auch die Skeptiker, was da passiert ist und fragen: “Kommt da wirklich was raus?”

Jedes Küken kriegt einen Namen

Gespannt kleben unsere Gesichter am Brutapparat. Zum Beobachten haben wir extra eine Kamera installiert und man kann per „Livestream“ alles haargenau beobachten. Die Freude ist groß: Am Ostersonntag schlüpft um drei Uhr morgens das erste Hühnerküken. Es ist noch nass und klitzeklein. Es piept laut nach seinen Kolleginnen und Kollegen, die nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ein schwarzes Küken sprengt die Eierschale und bekommt sofort seinen Namen: Lucy. Ein braunes Küken durchpickt die Schale und wird Frenky Junior getauft. Nach und nach schlüpfen dann Elsa, Anna, Lencli und Destiny. 

Keiner möchte mehr weg vom Brutapparat. Am Montag schaffen es die letzten Küken zu schlüpfen. 

Insgesamt 20 Hühnerküken picken sich den Weg in die Freiheit.  Leider werden fünf Eier nicht angepickt. Wahrscheinlich lebt das Küken darin nicht mehr. Melli erklärt, dass man den Küken nicht helfen darf. Sie sollen es aus eigener Kraft schaffen. So wie es auch in der Natur ist. 

Ein buntes Zuhause

Die Jugendlichen helfen das Kükenheim einzurichten und bunt zu bemalen. Nachdem alle Küken etwas getrocknet sind dürfen sie in ihr erstes Zuhause umziehen. Sie laufen dort kreuz und quer herum und picken im Stroh. Sie können schon selbstständig essen und trinken. Immer wieder schlafen sie kurz ein. Wir dürfen sie auch mal kurz in die Hand nehmen. Viele Besucher und die Kükenfreunde der Wohngruppe beobachten die Kleinen stundenlang - bis es an der Zeit ist, dass die Kleinen aus dem Don Bosco ausziehen müssen.

Und was machen die Don Bosco Küken nun? Sie scharren, fressen und wachsen bis sie mit ein paar Monaten zu den ganz großen Hühnern auf den Bauernhof umziehen dürfen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

 

 

Wie die Küken schlüpfen, haben wir auch im Video festgehalten:

   

 

 

Unser Fazit:

Timo* (Name geändert): Ich nehme mit, dass es Küken egal ist, wenn sie in ihr Essen kacken (lacht).

Leon*: Küken sind Kannibalen (lacht). Sie essen gerne Eier.

Tobi*: Ich finde das verrückt, dass man sozusagen “Gott spielen” kann. Ohne uns wäre aus den Eiern nichts geschlüpft. Das war anfangs nur ein kleiner Punkt. Mir ist auch klar geworden, dass die Industrie das nicht nur mit 30 Eiern macht so wie wir, sondern 1000 mal größer und dass man nur so Chickenwings essen und Eier billig kaufen kann.”

 

Text und Foto: Melanie Engelhardt